Das Flaschenmeer - Ein Installationseindruck

Die Produktion von Ralf und Gui fällt aus dem Rahmen. Bei ihrer Installation ist es das Publikum, das im allerweitesten Sinne performt. Wobei, eigentlich... "Die Installation performt!", sagt Ralf beim Probenwochenende zum Sommerblut-Produzenten Rolf und zu Jutta, der künstlerischen Leitung des Kat18.

Die Künstler selbst treten nicht auf. All ihre Arbeit entsteht im Vorhein. Arbeit bedeutet in ihrem Fall: Flaschen finden, mitnehmen, säubern, anmalen, fotografieren, drapieren, zusammenkleben. Die Flaschen bilden zwar den Mittelpunkt der Installation, aber das ganze Drumherum soll natürlich auch stimmen und die Stimmung verbreiten, die Rald und Gui erzeugen wollen. Im Moment sind sie noch auf der Suche nach passenden Stühlen. Das Gedeck steht so weit. Im Moment ist Gui dabei, die Sektgläser schwarz anzumalen. "Du bist total schwarz im Gesicht!", sagt Mirjam zu ihm, als unser Besuchertrüppchen die beiden besucht. "Oooaar, nää!", verdreht Gui die Augen. Vielleicht hat er langsam genug von der Schwarzmalerei. Wobei, eigentlich...

...Eigentlich hat Gui schon ziemlich viel Farbe in die Katakombe gebracht. Farbe, dass es nur so knallt! Herrliche Neonfarben in dicken Schichten. Als ich im Atelier nach den Flaschen frage, ich habe sie nämlich noch nicht gefunden, werde ich ein bisschen ausgelacht: "Echt jetzt, du hast die Flaschen übersehen?!" Stimmt. Ernsthaft, wie konnte ich nur? Es ist, als hätten diese Flaschen kleine, kräftige Beine, mit denen sie einem direkt ins Auge springen können.

Diese Flaschen werden zu einem Wust aufgeschichtet, einem Flaschenmeer, einem riesigen, knallbunten Glashaufen. Dieser Flaschenkoloss kommt mitten in die Mitte eines langen Tisches, der festlich eingedeckt ist. Sieht nach Rendevous aus. Wäre das Geschirr nicht schwarz. Noch ist der Arbeitstitel "Morbides Candlelight Dinner". Rendezvous mit einer Leiche? Hoffentlich nicht. Es ist nämlich so: Als Publikum soll es möglich sein, sich an diesem Tisch gegenüberzusitzen und Teil dieses weniger romantischen Candlelight Dinners zu werden. Wäre da nicht dieser Haufen Flaschen zwischen denen, die am Tisch sitzen. Alles, was vom Gegenüber zu sehen sein wird, kann nur durch die kleinen Lücken zwischen den Flaschen erhascht werden.

Abgesehen von weiteren Installationsutensilien suchen die beiden Künstler noch nach einem passenden Namen für das Objekt. "Der Titel soll eine weitere Farbe geben", meint Ralf. Ich hoffe, er meint damit keine Farbe, die noch nicht auf einer von Guis Flaschen vorkommt. Das könnte wirklich schwierig werden.

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