Die Kommandozentrale - Ein Probeneindruck

Heute durfte ich die Tanz-Schlagzeug-Malerei-Gruppe bei ihrer Probe besuchen. Jetzt, wo ich hier sitze und darüber nachdenke, wie ich all die bunten Eindrucksschnipsel aufschreiben soll, fällt es mir schwer, auf den Punkt zu bringen, was Malin, Marvin, Buket und Michael überhaupt machen. Sie machen so viel! In ihrer Performance stecken so viele Geschichten, die wir Zuschauer entdecken können!

Ich möchte kurz darauf hinweisen, dass bei allem, was ich über die laufenden Proben schreibe, alles nur eine Momentaufnahme ist, ein kleiner Schnappschuss, der Lust machen soll auf mehr. Das ist überhaupt nichts Definitives. Alles kann umgeschmissen werden. Vieles entsteht im Ausprobieren. Geschichten werden beim Machen erzählt. Also: Was ich beobachten durfte, ist ganz sicher nicht das, was wir bei den Vorführungen zwischen dem 05. - 08. Mai zu sehen bekommen werden, also kommt dann vorbei und seht selbst!

Zurück zur Performance-Probe. Bevor die Probe losgeht, kann ich noch ein bisschen mit Buket plaudern. Sie erzählt mir, wie der Probenplan aussieht. Ganz schön intentensiv, denke ich und frage sie, ob sie sich denn auf die Proben freut. Sie nickt und reibt sich die Hände. Als ich sie frage, was ihr denn bei dem Projekt am meisten Spaß macht, muss sie nicht lange überlegen: "Tanzen macht auch Spaß!"

Auch, das heißt, dass eigentlich die Malerei ihr Ding ist, sie jetzt aber entdeckt, dass tanzen eben auch Spaß macht. Das sieht man ihr deutlich an. Michaels Ding ist ebenfalls die Malerei, aber auch er wagt sich ins Interdisziplinäre und wechselt während der Performance von seinem Zeichenplatz ans Schlagzeug.

Bisher gibt es zwei Teile der Performance, in denen Malin und Buket in der Mitte tanzen und von Michael und Marvin eingerahmt werden. Ich will nicht zu viel vorwegnehmen und genau erzählen, wer was macht. Das würde dem Ganzen nicht gerecht werden, denn es geht hier viel mehr darum, wie was gemacht wird.

Was passiert, wenn Marvin die Hi-Hat spielt, was wenn ein lauter Schlag auf der Snare kommt und wann benutzt er Besen anstatt Sticks? Wie reagieren die anderen, wenn Michael im ersten Teil bestimmte Figuren zeichnet? Was passiert mit Buket, wenn sie mit geschlossenen Augen durch die Katakombe tanzt? Was ist mit der Wand, dass Malin so schnell dahin läuft?

Im zweiten Teil ist es dann ähnlich und ganz anders. Hier sind Malin und Buket wieder die in der Mitte Tanzenden, aber sie werden von den Rhythmen und Trommelschlägen von Michael und Marvin geführt. Mal kriechen sie auf dem Boden, sie heben ihre Arme, dann eine Drehung. "Vielleicht wäre es schön, wenn ihr nur eine Vierteldrehung macht!", schlägt Marvin vor. Malin und Buket probieren das mal aus. Tatsächlich: Das bringt mehr Varianz in die Bewegungen. Die Trommler geben die Kommandos, bestimmen die Bewegungen. Michael scheint großen Gefallen daran gefunden zu haben, Malin und Buket quer über die Bühne zu scheuchen. Aber er ist sehr bedacht mit seinen Kommandos: Bevor eine der beiden Frauen gegen eine Wand zu laufen droht, gibt er ein anderes Kommando und schützt sie vor dem Zusammenprall.

Was ich hier sehe: Zwei Frauen, die zwischen zwei Männer hin- und hergerissen sind und sich von ihnen abhängig machen lassen. Hin und her, immer nach ihrer Pfeife, die hier aus Percussioninstrumenten und Trommeln besteht.

"Da müssen wir auf jeden Fall noch draus ausbrechen! Mit so einem Ende wäre ich nicht einverstanden! Wir müssen uns befreien!", sagt Malin ernergisch, als auch Gwendolin ihr spiegelt, was sie auf inhaltlicher Ebene beobachtet hat.

Zum Ende der Probe schlägt Marvin vor, noch Sprachaufnahmen zu machen. Malin, Buket und Marvin sprechen den gleichen Text abwechselnd ins Mikro und Michael spricht die wichtigen Signalwörter noch einmal ein. "Unsinn!", sagt er und grinst. Das scheint sein Lieblingssignalwort zu sein.

Zum Abschluss zeigt die Gruppe nochmal ihren zweiten Teil der Performance, weil jetzt auch Nina und Philipp vom Raumkonzept dazugekommen sind und für die Raumgestaltung natürlich wissen wollen, wie sich alle wo bewegen. Vielleicht verschwindet das riesige Lüftungsrohr unter Tüchern?

Vieles ist hier noch ungewiss in dieser Performance, aber als am Schluss sich alle ein High Five geben, bin ich sicher, dass sich alle auf die nächsten Proben freuen, vielleicht auch, gerade weil noch so viel offen ist und es so viel zu entdecken gibt. Neue Ideen für Bilder, die bei uns im Kopf entstehen sollen, neue Bewegungen, die zu neuen Rhythmen führen...

So mulmig das Gefühl bei diesen Abhängigkeitsbildern ist, es macht großen Spaß, dabei zuzusehen, weil es schöne Bilder sind, die entstehen. So eigenartig das klingt. Außerdem machen sie Lust auf mehr!

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