Die Ohrwurmfabrik - ein Probeneindruck

Ich sitze an der Seite in der großen Katakombe und sehe Horst und Will bei der Arbeit zu. Es ist sicherlich ein großes Stück Arbeit, aber für mich sieht das nach riesigem Spaß aus, was die beiden da machen. Ich bekomme richtig gute Laune. Bestimmt werde ich das Kat18 heute mit einigen Ohrwürmern verlassen.

Horst und Will sitzen vor einem Laptop und zwei Mikrophonen. Aus dem Laptop kommt Musik, in die Mikrophone singen sie hinein und zwischendurch machen die beiden Aufnahmen von ihrem Gesang. Das sind Liebeslieder, aber sie erzählen mehr von Schmerz, Trennung und Unerfülltheit.

Auf Wills Stichwort "Komm, das nehmen wir jetzt auf!", nickt Horst und drückt die Knöpfe auf dem Aufnahmegerät. Auf dem Laptop können die beiden den Text mitlesen, was für Will eine gute Hilfe ist. Horst kann das meiste auswendig singen. Er ist ganz vertraut mit den Liedern. Und ich habe das Gefühl, dass auch Will und Horst miteinander schon ziemlich vertraut sind. Ihre Zusammenarbeit scheint ganz klar zu funktionieren: wer welche Knöpfe drückt, wann Bereitschaft zum Aufnehmen da ist, wann etwas Neues ausprobiert werden kann...

"Now we try an experiment", verrät Will mir, als die beiden ihre Aufnahmestation wieder abbauen. Als ob nicht alles ein Experiment wäre. Trotzdem, irgendwie bin ich jetzt noch mehr gespannt auf das, was kommt. Zusammen rollen sie die Kabel ein, bauen die Mikroständer ab. "Du machst alles so ruhig und gründlich!", bemerkt Will beim Aufräumen. Horst freut sich über das Kompliment. Im Laufe der Probe wird er noch mehr Komplimente und erhobene Daumen bekommen.

Als der Technik-Kram abgebaut ist, wird es analog.

"Ich habe dir was mitgebracht, du kennst das bestimmt!"

"Was denn?", fragt Horst und guckt sich um. Was Großes kann es nicht sein, selbst die Gitarre, die Will mitgebracht hat, ist kleiner als gewöhnlich.

Will gibt Horst ein kleines Keyboard. Es ist richtig klein und würde noch gut in meine Handtasche passen. Ein kultiges Casio VL 1. Fragend guckt Horst Will an.

"Moment, gleich erkennst du's!", meint Will, drückt einen Knopf und dann geht es los. Tatsächlich auf Knopfdruck wippt Horst mit dem Kopf und sein Strahlen kommt zurück.

"Da da da!", ruft er und Will setzt ein: "Du liebst mich nicht, ich lieb dich nicht!"

"Da da da!"

Ich muss zugeben, dass mir die Version von Will uns Horst deutlich besser als die von Trio gefällt. Jetzt spielt Horst eine kleine Melodie. Es ging blitzschnell, dass er das nachmachen konnte, was Will ihm gezeigt hat. Leider muss ich jetzt schon gehen. Als ich mich verabschiede, hält Will kurz inne: "Anna, mir ist wichtig, ich lerne hier ganz viel. Schreibst du das?" Ja. Es ist nicht zu übersehen, dass hier alle viel voneinander lernen. Der Enthusiasmus, mit dem alle dabei sind, unterstreicht das Gefühl, dass alle was davon haben.

"Weißt du, Horst, immer wenn wir zusammen proben, laufe ich danach mit Ohrwürmern herum", sagt jetzt Will und grinst. Horst lacht strahlend. Als lebendige Jukebox hat er wahrscheinlich schon ein Rezept gefunden, mit den ganzen Ohrwürmern umzugehen. Da, da, da, denke ich, als ich die Treppen aus der Katakombe wieder hochgehe.

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